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Eine kleine Geschichte
Freitag, 20. April 2012

Eine kleine Geschichte. Eine wahre Geschichte.

48 Stunden war es her. Wir durften das größte Glück der Erde erleben und ein Kind bekommen.

Meine Frau und ich waren noch ganz betäubt von diesem Erlebnis. Betäubt von den ersten Klängen der Stimme unserer Tochter in dieser Welt.

Betäubt von der langen und schweren Geburt. Betäubt von der Erleichterung und dem körperlich kaum auszuhaltenden Gefühl der Dankbarkeit, dass alles gut gegangen war.

Bangend, zwischen Euphorie und Überforderung, ob wir unserer neuen Rolle als Eltern, dieser größten je empfundenden Verantwortung gerecht werden würden.

Erschöpft, nach den ersten im Familienzimmer durchwachten Nächten.

In 1h würden wir das Krankenhaus (ich nenne es in den Tagen zuvor und während dessen lieber Geburtshaus) mit unserer kleinen im maxi cosi (ich lerne so viele neue markennamen...:-) verlassen.

Meine Frau ist gerade zur Abschlussuntersuchung mit der Kleinen. Ich warte im Zimmer.

Da geht die Tür auf und ein junges Päärchen betritt den Raum, "checked" ein. Die Wehen haben eingesetzt.

Beide sind etwas übergewichtig, haben schwarze Haare, sehen Süd-Osteuröpäisch aus. Irgendwie wie Zigeuner, Sinthi oder so, denke ich.

In meinem ach so wundervoll aufgeklärten, vorurteilsfreien Kopf beginnt der Vorurteilsfilm zu laufen. Ich denke: "Oh mann, die sind ja selbst noch Kinder. Typisch. Oh je, ganz schön ungepflegt und sicher nicht besonders helle im Kopf. Jetzt darf ich aber nicht aufs Klo gehen. Wer weiß, ob dann mein Portemonaie noch da ist und unsere Sachen nicht durchstöbert werden. Das ist ja jetzt echt körperlich unangenehm und kein schöner Abschluss unseres Aufenthaltes...etc. etc."

Ich betrachte diese Gedanken in meinem Kopf. Mein Gott, denke ich. Du bist ja auch nicht anders. Von wegen tolerant. Von wegen Integration. Ich bin doch selbst ein Migrant. Arbeite musikalisch mit Kids aus allen Herren Ländern. Ich betrachte meine häßlichen Gedanken und entscheide sie nicht mehr zu denken. Ich sage mir: "Jetzt sprich mit den beiden. Die sind doch genau in der gleichen Situation wie wir, als wir mit Wehen das Krankenhaus betraten. Sie sind nervös, unruhig, freuen sich und haben Angst vor dem was kommt. Das sind doch Menschen. Genau wie wir."

Ich spreche ihn an. Offen. So, wie ich jedes deutsche Mittelschichtsvorzeige Päärchen angesprochen und mich so toll mit ihnen verbrüdert hätte.

Er ist 18. Kosovo Albaner. Aslyant und nur geduldet. Sie ist auch aus dem Kosovo aber hier aufgewachsen und geboren. Hat den deutschen Pass. Als er mir stolz erzählt, dass er es anders machen will, als sein Bruder, der im Gefägnis ist, stottert er leicht. Er ringt mit den Worten. Er erzählt von der größeren Wohnung (60m2), in die sie eingezogen sind. Erzählt, dass er alles alleine renoviert hat. Erzählt stolz, dass er mit zwei 400 € Jobs und einer Hilfstätigkeit auf 1.000 € im Monat kommt. Erzählt vom Kosovo und das die Menschen dort nichts haben. Dass die Hilfsgelder versickern und nicht bei den Menschen landen. Dass er für seine kleine Familie kämpfen und einfach nur ein normales Leben führen will. Als Maler und Lackierer. Fleißig arbeiten, seine Familie durchbringen.

Sie sagt plötzlich etwas auf Albanisch zu ihm. Er übersetzt mir: "Sie sagt, dass du ein guter Mensch bist. Der erste, der sich für uns interessiert. Der uns behandelt als würden wir dazu gehören. Sie mag dich."...

Meine Frau kommt mit der kleinen zurück ins Zimmer. Wir packen die Taschen. Platzieren unsere süße in diesen maxi cosi. Da kommt der junge Kosovo Albaner auf uns zu. In der Hand einen gefalteten 5 € Schein. Er strahlt. Er fragt, ob er unserer kleinen diese 5 € schenken darf. Als Startgeld für ein wundervolles Leben. Ich nicke. Bin ergriffen. Tränen. Er steckt ihr den Schein zwischen zwei Knöpfe des Stramplers. Wir umarmen uns. Natürlich nehme ich dieses Geld. Es abzulehnen würde seinen Stolz verletzen. Ich umarme ihn. Ich sage: Danke! Ich sage: "Viel Glück bei der Geburt und dann alles Glück der Erde in Eurem Leben" Wir verabschieden uns. Brechen auf in ein neues Leben. Als Eltern. Tränen laufen meiner Frau und mir über das Gesicht. Was für ein wunderschöner Moment. Was für eine Ehre Mensch zu sein. Was für ein kleiner Schritt in Köpfen, der alles verändern kann.

Danke für diesen Moment.

 
Udo Jürgens, Ronny Edry
Donnerstag, 5. April 2012
UDO JÜRGENS, ICH GLAUBELiebe Abonnentinnen und Abonnenten, Liebe Leserinnen und Zufallsleser,  es gibt so starke und wahre Worte in Liedern, die zu verstauben drohen. Zu verstauben, weil kaum ein nach 1984 Geborener sie mehr kennt. Dabei sind diese Worte so rein, so echt und so gültig, immer. Gerade heute.Im Rahmen meiner Möglichkeiten (und da kommt noch Einiges) werde ich diese Lieder aus der Mottenkiste holen und sie jungen Menschen mit einem frischen Pfefferminzblatt servieren. Blogg-technisch den Anfang macht der Song „Ich glaube“ von Udo Jürgens, den dieser noch mal im Jahr 2000 mit Xavier Naidoo (damals mit einer so unfassbaren Frisur…J) live im öffentlich rechtlichen Fernsehen spielte. Hier der Link zum historischen „Dokument“: http://www.youtube.com/watch?v=K8SkUS4D0Fo Udo Jürgens bringt auf den Punkt was gerade aktuell durch die „Iraner wir lieben Euch“ Aktion des Israelis Ronny Edry aus Tel Aviv auf Facebook zu Recht so weite Kreise zieht und von so vielen Menschen der „alten“ Zeit und des „alten“ Denkens belächelt wird. http://www.bz-berlin.de/aktuell/welt/ein-bisschen-frieden-im-netz-article1417956.html Wenn wir alle uns endlich erlauben zu denken, wird jeder mit ein bisschen normalem Menschenverstand sehen und verstehen, dass es nie die Völker sind und nie die große Mehrheit ist, die Krieg will. Es sind immer nur einige wenige, herrschende, die ihre eigenen Interessen mit Hass und Gewalt durchsetzen wollen. Wirtschaftliche. Politische. Ideologische. Diese Interessen sind nicht die Interessen der Menschen.  Ronny Edry naiv zu nennen ist so leicht. Ich hingegen halte ihn für ein Genie. Denn: Genau so einfach ist es. Wir Völker müssen einfach nur entscheiden, dass es Krieg nicht gibt! Denen die Macht entziehen, die sie nicht in unserem Sinne gebrauchen. Denn jeder Regierungschef, jeder Politiker, sogar jeder Diktator kann seine Macht nur ausüben, weil das Volk es zulässt. Sie ist nur geliehen. Von uns allen. Ja aber, werden manche einwenden. So einfach ist das alles nicht… Ich sage: Und ob!
 
Schmetterling im Windkanal
Donnerstag, 29. März 2012
Alle wollen die Welt verändern. Keiner will Krieg. Keiner will Hass. Keiner will Gewalt. Alle wollen die Welt verändern.Wie fang ich an. Wo fang ich an. Fang ich an? Bei den Kindern. Nicht bei den Alten. Nicht Windmühlenkämpfe gegen Politiker in viel zu engen Anzügen. Mit wohlstandssattem Gefühl.Nicht wie ein Schmetterling vor der Turbine einer Boeing. Dann nämlich zerreiben sie dich. Zerreibst du dich. Und hast doch nichts getan. Denn Sie wachsen ja wieder nach, die Politiker in ihren viel zu engen Anzügen. Diejenigen voller Hass. Die voller Angst. Die zementiert aus Vorurteilen. Erzogen von den Politikern in ihren viel zu engen Anzügen. Also, wie wollte schon Grönemeyer. Kinder an die Macht. Macht die Zukunft mit den Kindern. Heute. Trainiert sie als Gegner des Hasses, Gegner des Krieges. Als Freunde der Menschen.Voller Hoffnung. Schöpfend nicht konkurrierend. Und dann. Verändert ihr die Welt.
 
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